Agrammon
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Umfrage zur Abschätzung von Ammoniak-Verlusten 2019

Ammoniakverflüchtigung ist für die Schweizer Landwirtschaft eine bedeutende Verlustquelle für Stickstoff. Pro Jahr gehen so rund 42'000 Tonnen Stickstoff verloren. Dies entspricht fast einem Drittel des N-Anfalles in Hofdüngern. Was für die Landwirte ein finanzieller Verlust oder eine Verminderung der Produktivität darstellt, bedeutet für die Umwelt eine Belastung, vor allem für empfindliche Ökosysteme.

Die Bestandesaufnahme der aktuellen Entwicklung der Verluste von Ammoniak (NH3) aus der Schweizer Landwirtschaft wird verwendet für

  • die Dokumentation der in den letzten 30 Jahren erzielten Verringerung der Verluste für internationale Abkommen,
  • zuverlässigere Empfehlung zu den Möglichkeiten der weiteren Verringerung von Stickstoffverlusten,
  • den Nachweis gegenüber der Bevölkerung, dass sich die Schweizer Landwirtschaft für die Anliegen der Umwelt einsetzt

 

Aktuelle Bestandesaufnahme

Die Grundlage für die aktuelle Bestandesaufnahme bildet eine repräsentative Umfrage über die für Ammoniakverluste wichtige Grössen der Betriebsstruktur und der Produktionstechnik. Diese Umfrage wurde an rund 5’600 Betriebe (gegliedert nach Höhenzonen und Betriebstypen) in verschiedenen Regionen der Schweiz versandt. Anhand der erstellten Bestandesaufnahme werden anschliessend mit dem Modell Agrammon (www.agrammon.ch) die Verluste für die verschiedenen Emissionsstufen (Stall, Weide, Lagerung, Ausbringung) der einzelnen Betriebsklassen berechnet. Eine Hochrechnung der Faktoren mit den Tierzahlen für die verschiedenen Regionen wird schliesslich die Berechung eines regionalen und nationalen Inventars der NH3-Verluste erlauben. Ziel ist es, mit Hilfe des Inventars die aktuelle Verlustsituation und das Potential zur Reduktion der Verluste abschätzen zu können.

Je mehr Betriebe an der Umfrage teilnehmen, desto zuverlässiger werden die Resultate sein. Die Daten der Betriebe werden nach Eingang sofort anonymisiert und bleiben damit garantiert vertraulich.

Häufige Fragen

1. Wie sieht der zeitliche Verlauf der schweizerischen Ammoniakemissionen aus?

Die schweizerischen Ammoniakemissionen haben von 1990 bis 2015 um etwa 18 % abgenommen. Diese Reduktion ist auf abnehmende Nutztierzahlen und auf Veränderungen in der Produktionstechnik zurückzuführen (vor allem Einsatz von Schleppschlauchverteilern, vermehrte Weidehaltung und verringerte Stickstoffausscheidung bei Schweinen). Weitgehend unverändert blieb über die letzten Jahre der Anteil der Landwirtschaft von fast 95 % der Gesamtemissionen.

2. Warum braucht es jetzt ein schweizerisches Inventar über die Ammoniakverluste?

Im Rahmen von internationalen Abkommen (Göteborg Protokoll) ist die Schweiz wie fast alle westlichen Industrieländer verpflichtet, regelmässig über die Ammoniakemissionen Bericht zu erstatten. Dabei werden im Abstand von etwa 20 Jahren Zielvereinbarungen ausgehandelt. Es liegt im Interesse der Landwirtschaft, dass die Zielvereinbarungen auf genauen und verlässlichen Daten basieren. Nur so sind realistische und umsetzbare Emissionsziele möglich.

Weiter sind zuverlässige Angaben zu den aktuellen NH3 Verlusten für die Landwirtschaft sehr wichtig, damit

  • effiziente Strategien zur Verlustminderung gewählt werden können, 
  • allfällige zukünftige Vorschriften zur Verlustminderung auf realistischen Angaben beruhen, welche auf die schweizerische Landwirtschaft und die spezifischen Bedingungen in einzelnen Regionen ausgerichtet sind, 
  • in Zukunft der Erfolg der Bemühungen zur Reduktion der Verluste belegt werden kann. Dies ist wichtig für das Image der Schweizer Landwirtschaft im In- und Ausland.

 

Zur laufenden Umfrage

1. Warum führt die HAFL Zollikofen diese Umfrage durch?

Ammoniakverflüchtigung ist für die Schweizer Landwirtschaft eine bedeutende Verlustquelle für Stickstoff: pro Jahr gehen so rund 48'000 Tonnen Stickstoff verloren; dies entspricht durchschnittlich ca. 45 kg N pro Hektare LN. Eine Minimierung der Verluste kann für den Landwirtschaftsbetrieb nur von Vorteil sein: unter Umständen sind höhere Erträge möglich und die Kosten für den Zukauf von Mineraldünger lassen sich senken. In der Umwelt verursachen Ammoniak und die resultierende Deposition von Stickstoff zudem Schäden an empfindlichen Ökosystemen. Damit zuverlässig und differenziert abgeschätzt werden kann, wie gross das Potential zur Reduktion der Stickstoffverluste durch Ammoniak in der Landwirtschaft ist, führt die HAFL diese Umfrage durch. Dabei werden Daten von Produktionstechnik und Betriebsstrukturen aufgenommen, welche die Ammoniakverluste beeinflussen. Diese geben wir in das Modell Agrammon ein, das für verschiedene Regionen und Betriebsklassen die Ammoniakverluste berechnet. Danach erfolgt die Erstellung eines schweizerischen Inventars der Ammoniakverluste in der Landwirtschaft.

2. Weshalb braucht es diese Umfrage und den zusätzlichen Aufwand für die befragten Landwirte/innen?

Wir sind uns bewusst, dass Schweizer Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter bereits zahlreiche Formulare und Fragebögen ausfüllen müssen, und dass das Ausfüllen unseres Fragebogens zusätzlichen Aufwand verursacht. Für eine genaue Bestandesaufnahme der aktuellen Produktionstechnik und der Betriebsstrukturen sind wir aber auf Angaben der zufällig ausgewählten Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen aus der ganzen Schweiz angewiesen. Nur wenn eine grosse Anzahl Betriebe den Fragebogen zuverlässig ausfüllt und zurücksendet, werden unsere Auswertungen vertrauenswürdige Ergebnisse und damit praxisgerechte Resultate und Empfehlungen liefern. Die Unterstützung durch möglichst viele der angeschriebenen Betriebe ist somit eine wichtige Voraussetzung, dass für die Landwirtschaft insgesamt und für die landwirtschaftliche Praxis nützliche Ergebnisse resultieren. Bei der Erstellung des Fragebogens haben wir darauf geachtet, dass die Fragen einfach und ohne zusätzliche Unterlagen beantwortet werden können. Es ist uns wichtig, dass das Ausfüllen des Fragebogens auf freiwilliger Basis erfolgt. Als kleines Dankeschön verlosen wir 3 Reisegutscheine im Wert von bis zu 1600 SFR sowie 30 Gutscheine für Bodenanalysen.

3. Wer bekommt Einblick in die Daten?

Nach Erhalt der ausgefüllten Fragebögen werden die Daten absolut anonym mittels Computer eingelesen, die Daten der einzelnen Betriebe zu verschiedenen Betriebsklassen zusammengefasst und anonymisiert. Es ist deshalb nicht mehr nachvollziehbar, welche Daten von welchem Betrieb stammen. Dies ist für uns auch nicht von Interesse, da wir anschliessend mit dem Berechnungsmodell Verlustfaktoren für die verschiedenen Betriebsklassen berechnen. Mit Hilfe der Tierzahlen von neun Regionen und verschiedenen Betriebstypen können die Verlustfaktoren der verschiedenen Betriebsklassen anschliessend hochgerechnet und daraus die Ammoniakverluste der einzelnen Region und der ganzen Schweiz berechnet werden.

4. Bedenken im Zusammenhang mit Auflagen zur Reduktion der Verluste

Das Verlustinventar steht in keinem direkten Zusammenhang mit Auflagen zur Reduktion der Verluste. In ganz Europa und im Rahmen gesamteuropäischer Vereinbarungen wird heute diskutiert, ob und unter welchen Bedingungen Vorschriften zur Reduktion der landwirtschaftlichen Ammoniakverluste erlassen werden sollten. Für die Schweizer Landwirtschaft ist es von zentraler Bedeutung, dass diese Diskussion in der Schweiz aufgrund von aktuellen und praxisgerechten schweizerischen Grundlagen geführt wird.

Eine Reduktion der Ammoniakverluste ist meist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Da dadurch aber auch eine Verminderung der Betriebskosten möglich ist, können für den Einzelbetrieb auch Vorteile entstehen. Eine Senkung der Verluste bedeutet unter den aktuellen agrarpolitischen Voraussetzungen, dass für den Pflanzenbau mehr Stickstoff zur Verfügung steht. Die Ertragssicherheit lässt sich verbessern oder höhere Erträge sind möglich. Teilweise lassen sich Ammoniakverluste bereits mit relativ einfachen und kostengünstigen Massnahmen reduzieren. Eine Reduktion der Ammoniakverluste ist also nicht zwangsläufig mit kostspieligen Massnahmen bzw. einem schlechteren wirtschaftlichen Ergebnis verbunden.

5. Vorgehen zur Berechnung der Ammoniakverluste

Mit der vorliegenden Umfrage erheben wir nur Daten, die uns nicht anderweitig zugänglich sind. Tierzahlen und LN werden vom Bundesamt für Statistik zur Verfügung gestellt. Dies erfolgt alllerdings erst nachdem die Daten aus der Umfrage vollständig anonymisiert sind, und somit nicht auf einen bestimmten Betrieb geschlossen werden kann. Dieses Vorgehen wurde gewählt, damit die Landwirte/-innen nicht Angaben machen müssen, die sie bereits früher geliefert haben, und um die 100% Vertraulichkeit vollständig gewährleisten zu können.

6. Ausfüllen des Fragebogens für viehlose Betriebe

Aufgrund der Verwendung von Mineraldüngern entstehen auch im Pflanzenbau Ammoniakemissionen. Diese sind zwar insgesamt geringer als die Emissionen aus der Nutztierhaltung aber nicht vernachlässigbar. Falls Sie also einen viehlosen Betrieb bewirtschaften, gehen Sie direkt zu Seite 12 des Fragebogens und machen die Einträge unter der Rubrik „8. Mineraldünger“.

7. Informationen zu den Resultaten der Umfrage

Wir werden die Ergebnisse der Umfrage in der landwirtschaftlichen Presse und in Fachzeitschriften veröffentlichen und an landwirtschaftlichen Tagungen darüber berichten. Berichte zu früheren Umfragen sind unter Downloads verfügbar. Die Ergebnisse unserer Berechnungen können wir leider den einzelnen an der Umfrage beteiligten Betriebe nicht direkt zur Verfügung stellen, weil wir bewusst ein Vorgehen gewählt haben, welches es uns nicht erlaubt, Resultate zu den gesamtbetrieblichen Verlusten auf einen bestimmten Betrieb zurückzuverfolgen. Nur so können wir eine absolut anonyme Verwendung der gemachten Angaben gewährleisten. Interessierte Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen können die Ammoniakverluste ihres Betriebs und die Möglichkeiten zur Reduktion der Emissionen mit dem Modell Agrammon berechnen. Das Modell ist via Internet öffentlich und kostenlos zugänglich.

 

Kontakt

Thomas Kupper

E-Mail:ammoniak.hafl@bfh.ch

Telefon: 0800 10 21 70; Gratisnummer verfügbar von Montag bis Freitag, 8.00 – 20.00 Uhr